Das tragische Ende einer bürgerlichen Bohème

Mit ihrer Scheidung hat die aufmüpfige Berner Patrizierin Hélène von Stürler für einen Skandal gesorgt. In München versuchte sie ihr Ideal von freier Liebe zu leben.

Zweiter Teil

Von Naomi Jones

Nach der Scheidung geniesst die 30-jährige Hélène von Stürler offenbar ihre Freiheit. Sie reist gerne. In ihrem Nachlass finden sich später zahlreiche Koffer und Reisetaschen. Schon zwei Monate vor der Scheidung ist sie aus der ehelichen Wohnung an der Via Brera in Mailand ausgezogen. Nun wohnt sie etwas ausserhalb der Altstadt, am Corso Venezia 28. Ihr jüngerer Sohn Alfredo darf die Mutter im Beisein der Gouvernante besuchen – wenn sie denn in Mailand ist. Er und sein Bruder Eduard leben nicht weit von ihr beim Vater, dem Zürcher Seidenfabrikanten Heinrich Escher. Geld zum Reisen ist da. Vermutlich von ihrem Vater erhält Hélène 5000 Lire pro Jahr. Das ist keine Riesensumme, aber dreimal so viel wie damals ein hochqualifizierter Arbeiter in Deutschland verdient.

Einsam ist Hélène nicht. Die Liebesbeziehung zu Guido Weiss, dem Mailänder Studenten, hält an. Sie ist so intensiv, dass Hélène den um mehrere Jahre jüngeren Mann 1906 in einem Testament zum Alleinerben machen wird: Er soll ihre Jahresrente erhalten. Und er soll Hélène nach seinen Wünschen bestatten und aus ihrem Besitz nach Belieben Erinnerungsstücke auswählen. «Ich wünsche, dass er viele Erinnerungen von mir nimmt und sie nie verschenkt.»

Doch weniger als ein Jahr später verlässt sie Weiss. Im Mai 1907 zieht sie nach München. München, dieser Name hat damals einen magischen Klang. Die Stadt ist um 1900 ein avantgardistisches Zentrum der Belle Epoque. Sie zieht Maler, Musiker und Schriftsteller aus aller Welt an und «leuchtet», wie Thomas Mann 1902 in seiner Novelle «Gladius Dei» mit einem ironischen Unterton schreibt. Ein Ort, wo sich die unkonventionelle Hélène wohl fühlen dürfte. Denn was die Leute von ihr denken, ist ihr egal. «Lascia dire la gente e passa», rät sie später auch  ihren Kindern. Lass die Leute reden und geh weiter.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit hat Hélène in München eine Frau kennengelernt, die ihr im Denken ähnlich ist:  Franziska zu Reventlow. Die aus dem aristokratischen Millieu entflohene Gräfin und Schriftstellerin aus Norddeutschland verkehrt im Münchner Stadtviertel Schwabing, damals ein Zentrum der Gegenkultur und Treffpunkt von Künstlern, Anarchisten, Revolutionären, Schriftstellerinnen und Feministinnen. Franziska zu Reventlow ist in der Münchner Bohème eine wichtige Figur: Eine Feministin, die stolz ihren unehelichen Sohn alleine aufzieht. 1903, im Jahr von Hélènes Scheidung, erscheint autobiographische Roman Reventlows «Ellen Olestjerne». Gut möglich, dass Hélène ihn gelesen hat und deshalb nach München gezogen ist. Die Historikerin Caroline Arni von der Universität Basel sagt: «Hélène hatte eine Vorstellung von weiblicher Freiheit und schien zu wissen, was in München geschah».

In Schwabinger Künstlerkneipen wie dem «Simplicissimus» an der Türkenstrasse 57 diskutierten und philosophierten die Bohèmiens, planten die politische und kulturelle Revolution und arbeiteten für die politisch-satirischen Zeitschrift «Simplicissiums». Schreibende Feministinnen üben scharfe Kritik an der patriarchal verfassten Ehe und propagierten und lebten die freie Liebe.

Als sich Hélène in München niederlässt, ist sie im zweiten Monat schwanger. Der Vater ihres dritten Kindes bleibt unbekannt. Am 12. Dezember 1907 bringt sie ihren Sohn zur Welt: Edmond Cyril Aimé. Aimé bedeutet auf französisch Geliebter. Ein Foto in der Ausstellung auf Schloss Jegenstorf zeigt den Neugeborenen in den Armen einer älteren Kinderfrau oder Haushälterin in Arbeitsschürze. Im Hintergrund des Fotos ist ein grosser geschmückter Weihnachtsbaum zu sehen. Die Szene zeugt von Glück und Wohlstand. Der Geburtsurkunde des unehelichen Kindes ist zu entnehmen, dass Hélène in München unter ihrem ledigen Namen lebt. Als Beruf gibt sie an «Rentière und Gutsbesitzerstochter» zu sein. Sie erhält also nach wie vor die Rente von ihrer Familie.

Sie könnte die Figur eines Romans sein. Zum Beispiel eine Effi Briest aus Bern oder die Ehebrecherin Melanie van der Straaten aus Fontanes Gesellschaftsroman «L’Adultera». Die Berner Patrizierin Hélène von Stürler sträubte sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge des ausgehenden 19. Jahrhunderts und kämpfte für ihre Freiheit. Sie war die Schwester des letzten Besitzers des Schloss Jegenstorf. 1895 heiratete sie den viel älteren Zürcher Seidenfabrikanten Heinrich Escher und zog mit ihm nach Mailand. Dort erfüllte sie die Vorstellungen einer bürgerlichen Ehe nicht und wurde nach zwei ausserehelichen Affären in die Psychiatrie eingewiesen. 1903 kam es zur Scheidung auf gemeinsames Begehren. In der Oberschicht des beginnenden 20. Jahrhunderts war ein Frauenleben wie das von Hélène skandalös. Hélène Escher von Stürler entsprach nicht den damaligen Erwartungen an Frauen ihrer Schicht und lebte das Leben einer selbstbestimmten Frau. Mehr noch. Sie war eine frühe Feministin. Hier gehts zum ersten Teil ihres Lebens. (nj)

Am Corso Venezia befand sich Hélènes erste eigene Wohnung nach der Scheidung.

Eine Wohnung mit Bad

Hélène wohnt in München zentrumsnah an der Pettenkoferstrasse 26, also nicht im Kern der Münchner Bohèmszene in Schwabing. Sie mietet eine Dreizimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus, das relativ neu gebaut ist. Im Denken mag sie den Bohémiens nahe stehen, doch will sienicht auf Komfort und Luxus verzichten.

Hélène hat in ihrer Wohnung fliessendes Wasser und eine Toilette. Im Raum, der für die Küche vorgesehen ist, baut sie ein geräumiges Badezimer mit Emailwanne, Lavabo und Bidet ein. Ein Rohrfauteuil und eine Kinderwanne befinden sich ebenfalls im Badezimmer. Als Küche mit Gasherd, Küchenkasten und Küchentisch braucht Hélène stattdessen den Gang. Anders als damals üblich lässt sie ihre Wäsche im Badezimmer statt im Keller waschen. Vermutlich lässt sie waschen. Es ist anzunehmen, dass die Kinderfrau auch die Haushälterin ist. Dafür spricht, dass es in der Wohnung zwei Schlafzimmer gibt. Das zweite Schlafzimmer ist jedoch wesentlich bescheidener eingerichtet, als das erste.

Stil, Kunstsinn und Lebensfreude sind Hélène immer noch wichtig. Die Möbel in Hélènes Wohnung erzielen später bei der Versteigerung einen stattlichen Betrag von 8488 Mark, also gut zwei Jahresrenten. Im Wohnzimmer, das zugleich ein Esszimmer ist, befindet sich ein Grammophon mit 29 Schallplatten. Ein Eisschränkchen, das ebenfalls im Wohnzimmer ist, deutet darauf hin, dass Hélène ihren Gästen gerne gekühlten Champagner oder andere edle Getränke serviert. Sie besitzt teure Kleider, mehrere neue Paar Schuhe und Stiefel, luxuriöse Pelzstolas aus russischem Weissfuchs, japanischem Fuchs und Nerz. Dazu besitzt sie eine grosse Menge Unterwäsche. Die Parfum-Flacons fehlen nicht. Und natürlich Spiegel. Im Schlafzimmer befinden sich ein dreiteiliger Spiegelschrank, ein grosser Toilettenspiegel und ein geschliffener Spiegel in grünem Rahmen. Im Badezimmer ist ein weiterer geschliffener Spiegel.

Eine Reitpeitsche und ein Tennisschläger lassen sportliche Aktivitäten erahnen. Das Damenfahrrad mit Korb befindet sich aber auf dem Speicher und scheint nicht in Gebrauch zu sein. Hélène mag Gesellschaft, sie geht gerne ins Theater. Dazu zieht sie einen grauseidenen Theatermantel an und nimmt den Operngucker mit Perlmutterfassung mit. Überhaupt mag sie die schönen Künste. Sie wünscht später, dass ihre Söhne «der Nachwelt einen ästhetischen Dienst leisten». Sie sollen Kunstmaler, Musiker, Literat, Architekt oder Ingenieur werden. In Hélènes Wohnung befinden sich auch Skizzenbücher und ein «Malkasten mit Inhalt». Und sie besitzt einen Fotoapparat.

In München trifft Hélène immer wieder den Kunstmaler Boleslaw Baron von Szankowski. Schon 1906, also bevor sie in die bayrische Hauptstadt zieht, wird sie zum ersten mal Mal von ihm porträtiert. Er scheint ihr Geliebter zu sein, möglicherweise ist er sogar der Vater des unehelichen Sohnes Edmond Cyril Aimé. Jedenfalls begünstigt sie Szankowski 1908 in einem zweiten Testament und will ihm eine jährliche Rente von 2500 Mark bis an sein Lebensende überlassen.

Das Testament entsteht vier Monate vor ihrem Tod. Etwas über ein Jahr lebt sie nun in München, hat hier ein Kind geboren und mit Szankowski eine neue Liebe gefunden. Doch es gibt Probleme. Auch finanzielle: Das Geld reicht nicht für den gewohnten Lebensstandard. Hélène gibt zuviel aus, verschuldet sich für teure Kleider und Schuhe und bittet schliesslich ihren italienischen Geliebten Guido Weiss zweimal, ihr Geld zu leihen. Weiss ist immer noch interessiert an ihr, doch sie hält ihn auf Distanz. «Du weisst, warum ich Deine Blumen und Besuche nicht annehmen kann», schreibt sie ihm aus München. «Denk daran, dass ich angesichts Deiner immer alt sein werde, und dass ich, wenn ich Dein Alter hätte, viele Dinge unternehmen würde.» Das Geld wird immer knapper. Im Oktober 1908 muss sie Schmuck, Tafelsilber und ihren Fotoapparat verpfänden. Das Geld ist das eine, die Gesundheit und der Gemütszustand sind das andere. Hélène hat hohe Arztrechnungen und ist nach eigenen Angaben oft krank.

«Vollbringt, was in Eurer Kraft liegt, und was ich getan hätte, wäre ich nicht in einem weiblichen Körper gesteckt.»

Lithografie von Boleslaw Szankowski.

Ewige Ruhe - der Tod

Am 21. November 1908 wird sie um zehn Uhr abends erschossen in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Münchner Medien vermelden einen Suizid. «In Ihrer Wohnung an der Pettenkoferstraße hat sich gestern Nacht die 35 Jahre alte Rentiere Helene v. Sturler durch einen Schuß in die linke Schläfenseite getötet», steht in der «Münchener Zeitung» vom 23. November 1908. «Die unglückliche Frau hat in der letzten Zeit an Verfolgungswahn gelitten.» Die beinahe identische Meldung steht einen Tag später auch in der «Münchner Post» und den «Münchner Neuste Nachrichten». Sie hat Schulden, die höher sind als eine Jahresrente. Finanziell am Ende ist die Schöne aber nicht.

Hélène wird auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt und ihr Nachlass wird von einem Nachlassverwalter, der vom Münchner Amtsgericht eingesetzt wird, versteigert. Nach Abzug aller Schulden bleibt immerhin eine Summe von 8922 Mark übrig. Das Geld fällt Hélènes Söhnen und ihrem Patenkind Nora zu. Szankowski verzichtet auf sein Erbe. Der elf Monate alte Sohn Edmond erhält von der Stadt Zürich, wo er durch die Heirat seiner Mutter mit Escher heimatberechtigt ist, einen Vormund. In der Schweiz wird er zur Adoption freigegeben. Die Berner Familie will ihn nicht aufziehen. Für sie war das uneheliche Kind Hélènes eine Schande und ein Ehrverlust. «Man musste den Schein wahren, selbst wenn viele ahnten, was geschehen war», sagt die Historikerin Arni.

Edmond wird von einer Zürcher Familie aus der sozialen Schicht seiner Mutter adoptiert. Im Alter von 20 Jahren erfährt er durch Zufall von seiner Adoption und reist nach München zum Maler Szankowski, der Hélène mehrmals porträtiert hat. Auf der Reise führt Edmond ein Tagebuch. Doch konnte seine Schrift nicht restlos entziffert werden. Edmond habe nie erfahren, wer sein leiblicher Vater war, erzählt seine Tochter. Hingegen nahm er Kontakt zu Hélènes Bruder und dessen Familie auf Schloss Jegenstorf auf. Seine Nachfahren, er hatte drei Kinder, stehen heute noch mit den Nachfahren der Familien Escher und von Stürler in Kontakt. Wie es seiner Mutter gefallen hätte, wurde er Journalist und Redaktor bei einer renommierten Zeitung.

Ob Edmond bei seiner Suche nach Spuren seiner Mutter je auf deren Nachlassakte im Münchner Staatsarchiv gestossen ist, ist nicht bekannt. Dort hätter er allerdings ihr Testament gefunden und damit ihre Wünsche und Worte an ihre Kinder:

Das Leben sei lang und mühsam, schreibt Hélène von Stürler an die Adresse ihrer Söhne im Testament. Und der Liebe sei nie genug. «Denn deren Illusionen sind unser irdisches Glück.» Die lebenshungrige und selbstbestimmte Berner Patrizierin weiss, dass sie sich in bürgerlichen Dingen schlecht zurechtfindet und ihren eigenen Idealen nicht gerecht werden kann. Sie hofft, dass es ihre Söhne besser machen und gibt ihnen folgenden Rat:. «Kinder seid sparsam, denn das Geld ist eine Macht, seid vorsichtig, die Gesundheit ist eine Kraft, die Liebe jedoch mit Maass ist Leben - Ewige Ruhe der Tod.» Dass sie am Leben und ihren Idealen scheitert liegt nicht zuletzt an der starren Rolle, die ihr als grossbürgerlicher Frau von der Gesellschaft zugedacht worden ist. Brutal hat sie zu spüren bekommen, mit welcher Macht die Gesellschaft das Begehren einer Frau nach selbstbestimmtem Leben zu unterdrücken versucht. Als Frau konnte sie nicht wirken und sich verwirklichen, wie es einem Mann erlaubt war. Sie hofft, dass es ihre Söhne an ihrer Stelle tun: «Vollbringt, was in Eurer Kraft liegt, und was ich getan hätte, wäre ich nicht in einem weiblichen Körper gesteckt.»



«Sie hatte eine Vorstellung von weiblicher Freiheit»


Hélène von Stürler dürfte nach der Scheidung die Gegenkultur der Bohème gezielt gesucht haben, sagt die Historikerin Caroline Arni.


Wie darf man sich das Leben einer geschiedenen Frau um 1900 vorstellen?
Vermutlich erhielt sie von ihrem Vater eine Rente für den Lebensunterhalt. Und wenn er sie nicht strafen wollte, gab er ihr genug, um standesgemäss zu leben. Dass sie nach München zog, dürfte kein Zufall gewesen sein. München, und dort das Stadtviertel Schwabing war um 1900 ein Zentrum der Gegenkultur, wo sich Künstler, Anarchisten, Revolutionäre, Schriftstellerinnen und Feministinnen trafen. Dass Hélène vor Gericht den Begriff Freiheit brauchte, lässt vermuten, dass sie dieses Milieu gezielt suchte.

Woher wusste sie davon?
In München lebte damals die ihrem Milieu und ihrer Ehe entflohene Gräfin und Schriftstellerin Franziska zu Reventlow. Wir wissen es nicht, können aber vermuten, dass Hélène Reventlows Schriften gelesen oder zumindest von ihr gehört hat. Sie war eine wichtige Figur in der Münchner Bohème und lebte dort als ‘freie’ Frau.1903 erschien von ihr ein autobiographischer Roman, in dem Hélène Elemente ihres Lebens wiedererkannt haben dürfte. Das Geschlechterverhältnis und die Lage der Frauen gehörten zu den grossen Themen der Zeit und wurden auch in Bern diskutiert.

Dann war Hélène eine Feministin?
Sicher hatte sie eine Vorstellung von weiblicher Freiheit. Sie schien zu wissen, was in München geschah und sehnte sich wohl nach einem Leben fern des bürgerlichen Milieus und einer einengenden Ehe. Es ist gut möglich, dass sie in München auch mit Reventlow verkehrte. Man traf sich in den gleichen Kneipen, redete, war künstlerisch tätig und plante die politische und kulturelle Revolution. Man lebte die freie Liebe, während schreibende Feministinnen scharfe Kritik an der patriarchal verfassten Ehe übten.

Und die Frauen nahmen uneheliche Kinder in Kauf?
Sie gehörten sogar zum Konzept mancher dieser Frauen. Dafür gab es im 19 Jahrhundert Vorläuferinnen in Frankreich. Auch Reventlow zog alleine einen Sohn auf und verschwieg den Namen des Vaters zeitlebens.

Warum?
Auch das war Kritik an der patriarchalen Ordnung. Dass die Kinder den Namen des Vaters trugen, deuteten die Feministinnen als Enteignung der Mutter. Und hielten dem eine selbstbewusste ledige Mutterschaft entgegen, die ja landläufig stigmatisiert war. Nach den Erfahrungen mit Escher erstaunt es nicht, dass sich Hélène gegen die Ehe, in der der Mann über die Frau verfügen durfte, sträubte. Sie zog die Konsequenzen und brach aus dem hochreglementierten Leben aus.

Für ihre Familie war es ein Skandal.
Uneheliche Sexualität war ausserhalb der Konvention. Das uneheliche Kind war die Verkörperung des Verstosses gegen die bürgerlichen Normen. Man darf wohl vermuten, dass die Familie darin eine Schande, einen Ehrverlust sah und deshalb das Kind nicht zu sich nehmen wollten. Verstösse gegen die Normen galt es zu verschleiern. Man musste den Schein wahren, selbst wenn viele ahnten, was geschehen war. Das war eine unausgesprochene Richtlinie der grossbürgerlichen Praxis.

Caroline Arni ist an der Universität Basel Professorin für allgemeine Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. In ihrem Buch «Entzweiungen» (2004) untersuchte sie Scheidungen um 1900.

Text und Produktion:
Naomi Jones

Fotos von Hélène:
Privatbesitz

Corso Venezia:
Alamy Photo

Bilder:
Stiftung Schloss Jegenstorf

© Tamedia